Merian-Kupferstich zur „Magdeburger Hochzeit“

Der Dreißigjährige Krieg gilt als der erste „Medienkrieg“ der europäischen Geschichte. Die zahlreichen zeitgenössischen Druckerzeugnisse, die während und nach dem Krieg erschienen, spiegeln die Propaganda, das Alltagsleben und die Kriegsgräuel wider. Dazu gehören auch die Veröffentlichungen des Kupferstechers Matthäus Merian, dessen Kupferstich über die „Magdeburger Hochzeit“ Teil der Ausstellung im Deutschlandmuseum ist.

Die Kunst des Kupferstichs: Als Metall Geschichte schrieb

Der Kupferstich ist ein klassisches Tiefdruckverfahren, bei dem ein Motiv mit einem speziellen Werkzeug (dem Grabstichel) in eine glatte Kupferplatte graviert wird. Die Dicke und Tiefe der Linien bestimmen die spätere Farbintensität, wodurch extrem feine und detailreiche Bilder entstehen.

Beim Druckvorgang wird zunächst die gesamte Platte mit Tinte eingefärbt und anschließend die Oberfläche wieder abgewischt, sodass die Tinte nur in den vertieften Linien zurückbleibt. Durch eine Druckerpresse wird das Papier unter hohem Druck in die Rillen gepresst und nimmt dabei die Farbe auf.

Wegen der starken Haltbarkeit der Kupferplatten konnten detailreiche Stiche in hoher Auflage gedruckt werden. Das machte den Kupferstich zu einem der wichtigsten Bildmedien vor der Erfindung der Fotografie.

Matthäus Merian: Ein Pionier des Bildjournalismus

Nach Albrecht Dürer (1471–1528) ist Matthäus Merian (1593–1650) der wohl berühmteste Kupferstecher der deutschen Geschichte. Nach Lehr- und Wanderjahren ließ sich der gebürtige Basler in Frankfurt am Main nieder, wo er den bedeutenden Verlag der Familie de Bry übernahm und ausbaute. Zu seinen wichtigsten Werken gehört das Theatrum Europaeum: eine umfassende, reich bebilderte Chronik, die zwischen 1633 und 1738 erschien und die unter anderem den Kupferstich zur „Magdeburger Hochzeit“ beinhaltet.

Matthäus Merian Der Mann, der Europa ins Bild setzte Stich von Sebastian Furck, 1651 (Quelle Public domain, via Wikimedia Commons)
Matthäus Merian: Der Mann, der Europa ins Bild setzte Stich von Sebastian Furck, 1651 (Quelle: Public domain, via Wikimedia Commons)

Merian revolutionierte als Kupferstecher und Verleger die visuelle Dokumentation des 17. Jahrhunderts. Er ist vor allem für seine präzisen und detailreichen Stadtansichten bekannt, die das historische Aussehen zahlreicher europäischer Städte vor dem Dreißigjährigen Krieg dokumentieren. Diese einzigartigen visuellen Geschichtsdokumente prägen bis heute maßgeblich unser historisches Bild dieser Epoche.

Der Kupferstich zur „Magdeburger Hochzeit“

Merians Kupferstich zeigt die grausame Einnahme und Zerstörung Magdeburgs durch kaiserliche Truppen im Dreißigjährigen Krieg am 20. Mai 1631. Das Ereignis forderte etwa 20.000 Menschenleben und ging als „Magdeburger Hochzeit“ in die Geschichte ein. Dieser zynische Begriff leitet sich von der erzwungenen „Vermählung“ ab, da die Stadt – symbolisiert durch die Jungfrau im Stadtwappen – dem Kaiser gewaltsam unterworfen wurde.

Der Kupferstich dokumentiert die Belagerung aus der Vogelperspektive von Osten über die Elbe wieder. Zu sehen ist das brennende Magdeburg, damals eine der größten und mächtigsten Städte im Heiligen Römischen Reich. Im Vordergrund sind die Truppen des kaiserlichen Feldherrn Tilly abgebildet, während sie die Stadt erstürmen. Am oberen mittleren Bildrand befindet sich die Legende, mit der sich die wichtigsten Gebäude der Stadt, die mit Nummern gekennzeichnet sind, identifizieren lassen.

Das alte Magdeburg wurde in der Schlacht fast völlig ausgelöscht, auch deswegen ist der Kupferstich historisch bedeutsam. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sich die Stadt wirtschaftlich und baulich von den Folgen erholt, die ursprüngliche Einwohnerzahl wurde erst im 19. Jahrhundert wieder erreicht. Das Werk Merians ist somit eine wichtige zeitgenössische visuelle Quelle für die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges.

Objektinfos

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Exponat im Museum

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