Biedermeier-Pfeife

Die Biedermeierzeit war geprägt von politischer Bevormundung durch die herrschenden Fürsten, auf die viele Bürger mit einem Rückzug ins Privat- und Familienleben reagierten. Das häusliche Glück und der heimische Garten wurde zum Lebensmittelpunkt, die „Gemütlichkeit“ erfunden. Dazu gehörte auch die abendliche Pfeife, wie sie als Originalobjekt des Biedermeiers im Deutschlandmuseum zu sehen ist.

Biedermeierzeit: Die Entdeckung der Gemütlichkeit

Die Periode zwischen dem Wiener Kongress 1814 und der Deutschen Revolution 1848/49 war eine Zeit des politischen Stillstands. Politische Mitsprache der Bürger war unerwünscht, öffentliche Kritik wurde mit Zensur und Strafandrohung unterdrückt. Viele Personen zogen sich in die Sicherheit des Privaten zurück und richteten sich dort behaglich ein. Für diesen Zustand kam damals auch der Begriff „Gemütlichkeit“ in Mode.

Der Dichter Ludwig Eichrodt (1827–1892) karikierte diesen biederen und am politischen Geschehen desinteressierten Bürger mit seiner fiktiven Figur des Gottlieb Biedermaier. Dieses literarische Vorbild wurde ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts zum Namensgeber der Epoche.

Portrait der fiktiven Figur Gottlieb Biedermaier Illustration aus der humoristischen Wochenschrift Fliegende Blätter, E. Ille, Deutschland, 1855 (Quelle: Wikimedia Commons)

Der Lohn eines Arbeitstags: Entspannung mit Lesepfeife

Ein in der Kunst des Biedermeiers häufig anzutreffendes Accessoire war die Pfeife als eines der Symbole gelebter Häuslichkeit. Nach getaner Arbeit gönnte sich der Mann eine lange Pfeife im gemütlichen Wohnzimmer oder dem heimischen Garten.

Der prägende Maler jener Epoche war Carl Spitzweg (1808-1885). In vielen seiner Bilder stellte er das bürgerliche Kleinbürgertum dar – oftmals mit einem ironisierenden Unterton. Natürlich taucht auch die Pfeife hier regelmäßig auf, zum Beispiel auf Spitzwegs „Der Kaktusfreund“ (ca. 1858). Zurückgezogen im stillen Winkel des heimischen Gartens gibt sich dort der Protagonist behaglich eine Pfeife rauchend der Pflege seiner geliebten Kakteen hin.

"Der Kaktusfreund" Ölbild (Ausschnitt), Carl Spitzweg

„Der Kaktusfreund“ Ölbild (Ausschnitt), Carl Spitzweg, um 1858, Deutschland (Quelle: Museum Georg Schäfer via Wikimedia Commons)

Bei der im Deutschlandmuseum ausgestellten 60 Zentimeter langen, gebogenen Pfeife mit Metalldeckel handelt es sich um ein seltenes historisches Exemplar in sehr gutem Erhaltungszustand. Diese Pfeifenform ist bei vielen Rauchern beliebter als eine gerade Pfeifenform, da sie sich angenehmer mit den Zähnen halten lässt. Sie wird oft als Lesepfeife genutzt, weil der rauchende Pfeifenkopf weit weg von den Augen positioniert ist. Durch die Länge des Pfeifenhalses kühlt der angezogene Rauch zudem ab und reizt die Atemwege weniger.

Vorteile einer Meerschaumpfeife

Das wichtigste Element einer Pfeife ist der Pfeifenkopf, in welchem der Tabak abgebrannt wird. Bei der ausgestellten Pfeife besteht er aus Meerschaum. Dieses Tonmaterial aus Kieselerde, Bittererde und Wasser wird traditionell vor allem in der Türkei, aber auch in Italien und Tansania abgebaut.

Materialtechnisch eignet sich Meerschaum ideal für den Einsatz als Pfeifenwerkstoff. Die Struktur verfügt über unzählige kleine Poren, die den Meerschaum sehr aufnahmefähig machen. Dadurch werden die Kondensate beim Rauchen aufgenommen und der Einsatz von Filtern unnötig. Da Meerschaum zudem geschmacksneutral ist, müssen neue Pfeifen nicht eingeraucht werden, im Gegensatz zu Holzpfeifen. Ein weiterer Vorteil gegenüber Holz: das Material ist extrem feuerbeständig. Es ist also fast unmöglich, die Pfeife heiß zu rauchen, wodurch der Geschmack unangenehm bitter werden kann.

Größer Nachteil ist die leichte Zerbrechlichkeit des Meerschaumes. Umso schöner, dass die Biedermeier-Pfeife, wie sie in der Ausstellung des Deutschlandmuseums zu sehen ist, sich trotz intensiver Nutzung (der sich am Geruch des Pfeifenkopfes erahnen lässt…) bis heute in sehr gutem Zustand befindet.

Objektinfos

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Exponat im Museum

Über das Deutschlandmuseum

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