Luntenschlossgewehr

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) führte zur Zerstörung und Entvölkerung großer Teile des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Das Trauma dieses Kriegs prägte die deutsche Geschichte nachhaltig. In der Ausstellung des Deutschlandmuseums befindet sich ein seltenes Luntenschlossgewehr, wie es im Dreißigjährigen Krieg zum Einsatz kam.

Schützen im Dreißigjährigen Krieg

Im Dreißigjährigen Krieg bestand der Großteil eines Heeres aus der Infanterie. Diese setzte sich aus den Nahkampfeinheiten der Pikeniere und den Schützen zusammen, welche hauptsächlich für den Fernkampf zuständig waren. Da die Schützen lange Vorderladegewehre, sogenannte Musketen, einsetzten, bezeichnete man sie als Musketiere.

Bei Vorderladern musste der Soldat die Waffe nach jedem Schuss absetzen, um Kugel sowie Schießpulver über den Gewehrlauf nachzufüllen und mit dem unter dem Lauf befindlichen Ladestock festzuklopfen. Der umständliche Ladevorgang umfasste je nach Gewehrmodell 20–30 Handgriffe. Aus diesem Grund war es kaum möglich, mehr als zwei Schuss pro Minute abzufeuern. Das hohe Gewicht der Musketen im Dreißigjährigen Krieg machte es zudem notwendig, sie beim Schuss auf einen Gabelstock aufzulegen.

Pikeniere und Musketiere arbeiteten in der Schlacht eng zusammen. Ohne den Schutz der Pikeniere mit ihren langen Piken und Hellebarden waren die Schützen während den Ladezeiten der Gewehre den Angriffen feindlicher Truppen, insbesondere von schnellen Kavallerieeinheiten, schutzlos ausgesetzt. Im Laufe des Dreißigjährigen Kriegs entwickelte sich die Technik der Gewehre jedoch rasch weiter, vor allem Größe und Gewicht der Waffen wurden geringer.

Das Luntenschlossgewehr im Deutschlandmuseum

Das Hauptmerkmal eines Gewehrs ist sein Auslösemechanismus, in der Fachsprache als »Schloss« bezeichnet. Das Luntenschloss gehört zu den ältesten Auslösemechanismen für Gewehre überhaupt. Den Namen erhielt es von der Lunte, einem glimmenden Hanfstrick, der durch Betätigung des Abzugs in die Zündpfanne gedrückt wurde. Dort entzündete die Glut das Schießpulver und die Explosion trieb die Kugel aus dem Lauf auf ihr Ziel zu.

Dabei muss gesagt werden, dass »Ziel« etwas übertrieben ist – man feuerte die Kugeln eher grob in eine Richtung ab. Die Treffgenauigkeit der damaligen Gewehre war sehr gering. Für einen nennenswerten Effekt auf dem Schlachtfeld feuerten die Musketiere daher ihre Waffen als massive Salven gemeinsam ab und erzielten so eine Breitenwirkung gegen den Gegner.

Das Luntenschlossgewehr im Deutschlandmuseum stammt aus dem 16. Jahrhundert. Es ist also sehr wahrscheinlich auch im Dreißigjährigen Krieg noch zum Einsatz gekommen. Damals wie heute werden gut gepflegte Waffen über mehrere Generationen hinweg genutzt. Die Waffe hat eine Gesamtlänge von 157 Zentimetern bei einer Lauflänge von 122 Zentimetern. Das Kaliber beträgt 18 Millimeter – eine Standardgröße für damalige Musketen. Der Hersteller ist unbekannt, am Lauf findet sich eine Marke, die an eine Krone erinnert.

Illustration aus einer Anleitung zum Gebrauch eines Luntenschlossgewehrs

Illustration aus einer Anleitung zum Gebrauch eines Luntenschlossgewehrs Kolorierte Gravur, Jacques de Gheyn, ca. 1597-1607 (Quelle: Rijksmuseum)

Veraltete Waffentechnik, aber zuverlässig und günstig

Die Reichweite der verschossenen Kugeln lag lediglich bei 200–250 Metern. Die Schützen mussten also recht nah an den Gegner heranrücken – umso wichtiger waren die schützenden Pikeniere. Die Wirkung der verschossenen Bleikugeln war verheerend. Das weiche Blei verformte sich, sobald es auf den Körper des Gegners traf und riss dadurch weit größere Wunden als heutige Patronen, die sehr glatte und saubere Schusskanäle produzieren. Durch die Verformung traten die Kugeln in der Regel auch nicht aus dem Körper aus, sondern blieben stecken und führten zu schweren Infektionen. Die meisten von Kugeln getroffenen Soldaten starben eher an den Spätfolgen der Schussverletzungen als an dem unmittelbaren Treffer.

Bereits ab dem 16. Jahrhundert kam es zur Entwicklung neuer Auslösemechanismen, allen voran das Radschloss, welche die Herstellung von kleineren und leichteren Waffen ermöglichten. Luntenschlossgewehre jedoch waren in der Herstellung günstiger und zudem auch unter widrigen Bedingungen äußerst zuverlässig und pflegeleicht. Sie blieben daher trotz ihrer veralteten Technik den gesamten Dreißigjährigen Krieg über die Hauptfernwaffe der Infanterie.

Objektinfos

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Exponat im Museum

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