Der Zweite Weltkrieg – Krieg, Vernichtung, Verantwortung
Vom Frieden von Versailles zur Diktatur
Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 und die anschließende Massenarbeitslosigkeit destabilisieren die junge Demokratie der Weimarer Republik. Die folgende politische Radikalisierung ermöglichte den Aufstieg der NSDAP – 1933 übernahm Hitler die Macht und wandelte die Demokratie innerhalb kurzer Zeit in eine Diktatur um. Die Zeit des Nationalsozialismus begann.
Früh fingen die Vorbereitungen für einen Krieg an, der das Ziel hatte, die Bestimmungen des Versailler Vertrages zu überwinden, den deutschen „Lebensraum“ zu vergrößern und eine deutsche Hegemonie in Europa zu etablieren.
1939: Überfall auf Polen und Blitzkriege
Am 1. September 1939 ließ Hitler deutsche Truppen in Polen einmarschieren. Der Angriff, als „Selbstverteidigung“ getarnt, war in Wahrheit ein kalkulierter Überfall. Ihm waren umfangreiche Propaganda-Aktionen und politische Vorbereitungen wie der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt vorausgegangen. Wenige Tage später erklärten Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg.
Nach dem raschen Sieg über Polen richtete Hitler seinen Blick nach Westen. Im Frühjahr 1940 überfiel die Wehrmacht Dänemark, Norwegen, Belgien, die Niederlande und schließlich Frankreich. Innerhalb weniger Wochen war das Land besiegt – ein militärischer Schock für ganz Europa.
Das polnische Wieluń nach einem Angriff der deutschen Luftwaffe im September 1939 (Quelle: Public domain, via Wikimedia Commons)
Die als „Blitzkriege“ bezeichneten schnellen Erfolge waren nicht nur der modernen Waffentechnik geschuldet, sondern auch pharmazeutischer Unterstützung. Die Wehrmacht-Leitung versorgte ihre Soldaten mit großen Mengen an Pervitin, einem Methamphetamin, das Müdigkeit und Angst unterdrückte. Es galt als „Wunderpille des Blitzkriegs“ und half, tagelang durchzukämpfen, allerdings zum Preis von schweren gesundheitlichen Folgen.
Sinnbildlich für das Selbstverständnis der Wehrmacht zeigt das Deutschlandmuseum einen Wehrmachtshelm M18 aus dem Zweiten Weltkrieg. Der deutsche Stahlhelm entwickelte sich zu einem zentralen Symbol der Wehrmacht und des NS-Staats, er stand für Härte und Opferbereitschaft.
Am 22. Juni 1940 unterzeichnete Frankreich die Kapitulation. Hitler ließ die Zeremonie bewusst im selben Eisenbahnwaggon von Compiègne stattfinden, in dem 1918 das Deutsche Reich seine Niederlage im Ersten Weltkrieg akzeptiert hatte. Für ihn war es ein Akt der Rache und eine Machtdemonstration, für Frankreich eine bittere Erniedrigung.
1940–1941: Luftschlacht um England
Nach dem Triumph über Frankreich richtete sich Hitlers Aufmerksamkeit auf Großbritannien. Mit der Luftschlacht um England, die im Juli 1940 begann, wollte er die britische Luftwaffe ausschalten und den Weg für eine Invasion freimachen. Wochenlang bombardierte die deutsche Luftwaffe englische Städte, Häfen und Flugplätze – eine neue Dimension des Luftkriegs.
Doch die Royal Air Force hielt stand. Dank Radar, Entschlossenheit und moderner Taktik gelang es den britischen Piloten, den Angriff abzuwehren. Im Oktober 1940 musste Hitler seine Invasionspläne verschieben. Nach dem Scheitern seiner England-Pläne wandte er sich dem Osten zu. Dort, in der Sowjetunion, sah er den nächsten großen Gegner und die Chance, ideologische und territoriale Träume zu verwirklichen.
1941–1942: Der Krieg wird global
Im Juni 1941 begann mit dem „Unternehmen Barbarossa“ der Angriff auf die Sowjetunion. Der Krieg im Osten war von Anfang an als Vernichtungsfeldzug geplant. Millionen sowjetische Soldaten gerieten in Gefangenschaft, unzählige Zivilisten wurden ermordet oder verhungerten, ganze Dörfer wurden ausgelöscht.
Deutsche Einheiten während dem Unternehmen Barbarossa, July 1941 (Quelle: National Digital Archives, Public domain, via Wikimedia Commons)
Gleichzeitig weitete sich der Konflikt auf andere Kontinente aus. In Nordafrika kämpften deutsche und italienische Truppen unter General Erwin Rommel gegen britische und alliierte Kräfte. Ende 1941 griff Japan die US-Flotte in Pearl Harbor an. Der Angriff veränderte die bisher passive Einstellung der amerikanischen Bevölkerung zum Krieg. Mit dem Kriegseintritt der USA wurde der Konflikt endgültig zum Weltkrieg.
USA, Großbritannien und Sowjetunion bildeten die „Großen Drei“ der Alliierten, während Deutschland und seine Verbündeten zunehmend unter Druck gerieten. Ab dem Winter 1941/42 stoppte die Rote Armee den deutschen Vormarsch vor Moskau und bald erzielten die Alliierten in Nordafrika ihre ersten Siege.
1943–1945: Kampf um Stalingrad und Berlin
Die Niederlage der deutschen Armee bei Stalingrad Anfang 1943 markierte den Wendepunkt. Von nun an befand sich das Deutsche Reich auf dem Rückzug. Im Westen bereiteten die Alliierten die Befreiung Europas vor. Am D-Day, dem 6. Juni 1944, landeten sie in der Normandie. Dies war ein entscheidender Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg, der das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft in Europa einleitete.
Sowjetische Truppen in der Schlacht von Stalingrad, 1943 (Quelle: RIA Novosti archive, image #44732 / Zelma / CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)
Im Frühjahr 1945 stand die Rote Armee in Berlin, amerikanische und britische Truppen erreichten den Rhein. Am 8. Mai 1945 kapitulierte Deutschland bedingungslos. In Asien dauerte der Krieg noch bis zum Abwurf der amerikanischen Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Am 2. September 1945 war der Zweite Weltkrieg endgültig vorbei.
Die Bilanz des Schreckens
Britische Einheiten befreien das Konzentrationslager Bergen-Belsen, April 1945 (Quelle: No 5 Army Film & Photographic Unit, Morris (Sgt), Public domain, via Wikimedia Commons)
Der Zweite Weltkrieg forderte weltweit rund 60 bis 70 Millionen Tote, darunter etwa 6 Millionen ermordete Juden. Ganze Städte lagen in Trümmern, Millionen Menschen waren auf der Flucht. Die Siegermächte – USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich – teilten Deutschland in vier Besatzungszonen.
In den Nürnberger Prozessen wurden 1945–1949 führende Nationalsozialisten für ihre Verbrechen zur Verantwortung gezogen. Eine originale Sonnenbrille, wie sie an die Angeklagten des ersten Nürnberger Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher 1945/46 herausgegeben wurde, erinnert im Museum an diesen historischen Moment.
Teilung und Neubeginn
Deutschland war zerstört, seine Gesellschaft traumatisiert. Doch mit der Hilfe der Alliierten begann ein Neubeginn. Die westlichen Zonen entwickelten sich zur Bundesrepublik Deutschland, der Osten wurde zur DDR – die Spaltung des Landes prägte die Nachkriegszeit.
Aus der Erfahrung von Krieg und Diktatur erwuchs ein neues Bewusstsein: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus. Heute sind Gedenkstätten, Denkmäler und Ausstellungen Orte der Erinnerung und der Mahnung, wohin Hass und Entmenschlichung führen können.
Über das Deutschlandmuseum
Ein immersives und innovatives Erlebnismuseum über 2000 Jahre deutscher Geschichte
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FAQ
Der Zweite Weltkrieg begann am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen.
In Europa endete der Krieg am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands. Weltweit endete er am 2. September 1945 nach der Kapitulation Japans.
Schätzungen gehen von 60 bis 70 Millionen Toten aus – darunter Soldaten, Zivilisten und Opfer des Holocaust.
Die Alliierten – USA, Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich und ihre Verbündeten – besiegten im Zweiten Weltkrieg die „Achsenmächte“ Deutschland, Italien und Japan.