Investiturstreit zwischen König und Papst

Der Gang nach Canossa (Darstellung von 1898) Quelle: Public Domain Investiturstreit zwischen König und Papst
Jan. 25 1077
Der Gang nach Canossa (Darstellung von 1898) Quelle: Public Domain

König Heinrich IV. geht nach Canossa

Seit der Gründung des Heiligen Römischen Reichs (Deutscher Nation) im 10. Jahrhundert beanspruchten die Könige bzw. Kaiser das Recht für sich, hohe Geistliche wie Bischöfe einzusetzen. Als Gregor VII. Papst wurde, stellte er diese Ordnung in Frage, und der „Investiturstreit“ (Investitur: Einsetzung) begann. Zunächst erklärte König Heinrich IV. auf einem Hoftag in Worms die Wahl Gregors für ungültig, ihn damit als abgesetzt. Darauf setzte dieser auf einer Synode in Rom wiederum Heinrich ab und schloss ihn aus der Kirche aus bzw. exkommunizierte ihn. Etliche Fürsten sahen sich jetzt an ihren Treueid gegenüber dem König nicht mehr gebunden und setzten ihm ein Ultimatum: Er sollte sich in einer bestimmten Zeit von dem Kirchenbann lösen, sonst würden auch sie ihn als abgesetzt erklären und einen Nachfolger wählen.

Dem 26-jährigen Heinrich blieb nichts anderes übrig: Mitten im Winter musste er über die verschneiten Alpen nach Italien ziehen. In der Burg Canossa wurde er am 25. Januar 1077 von Papst Gregor zunächst nicht empfangen, sondern aufgefordert, aufrichtige Reue zu zeigen. Zeitgenössischen Quellen zufolge wartete Heinrich drei Tage in Büßerhaltung. Erst dann durfte er vor Gregor seine Sünden bekennen und der Kirchenbann wurde aufgehoben.
Heinrich brachte das allerdings nicht viel weiter: Die Fürsten wählten trotzdem einen Gegenkönig. Nach einiger Zeit erkannte Papst Gregor diesen auch an und bannte Heinrich erneut. Erst als der Gegenkönig in einer Schlacht gefallen war, konnte Heinrich sich schließlich durchsetzen. Er zog mit einem Heer nach Italien, eroberte Rom und ließ sich 1084 von dem mit seiner Hilfe als Gegenpapst erwählten Clemens III. zum Kaiser krönen. Gregor hatte aus Rom fliehen müssen und starb kurz darauf.

Der Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst ging erst 1122 unter Heinrichs Sohn Heinrich V. mit einem Kompromiss zu Ende. Die Konkurrenz zwischen weltlicher und geistlicher Macht war in Europa damit jedoch keineswegs vorbei. In diesem Zusammenhang wurde im 19. Jahrhundert das geflügelte Wort vom „Gang nach Canossa“ als erniedrigender Bittgang geläufig.

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