Die frühere Nonne und Ehefrau Luthers erliegt ihren Unfallverletzungen
Katharina von Bora wurde 1499 im Kurfürstentum Sachsen als Tochter einer landadligen Familie geboren. Mit fünf Jahren kam sie zur Erziehung in ein Frauenstift im Raum Leipzig, mit etwa zehn wechselte sie in ein anderes, nicht weit entferntes Kloster, wo eine Tante Äbtissin war. Dort wurde sie weiter schulisch, aber auch in Betriebs- und Landwirtschaft ausgebildet und legte mit 16 ihr Gelübde als Nonne ab. Nach dem Beginn der Reformation trugen sich zahlreiche Mönche und Nonnen in Deutschland mit dem Gedanken, ihre Klöster zu verlassen. Martin Luther verfasste dazu ein Gutachten, nach dem Klostergelübde nicht bindend sein müssten. Auch Katharina von Bora verließ mit acht weiteren Frauen heimlich ihr Kloster, Helfer schmuggelten sie nach Wittenberg. Dort wurden sie erst bei Freunden Luthers untergebracht, dann versuchte man, für die Nonnen „ehrenwerte“ Ehemänner zu finden. Katharina kam zunächst bei dem Maler Lucas Cranach unter. Zwei Versuche, ihr eine Ehe zu vermitteln, scheiterten, weil z. B. die Eltern des Interessenten der Verbindung mit einer „entlaufenen Nonne“ die Zustimmung verweigerten. Die von Luther für sich selbst Ausgewählte zog einen anderen Mann vor. Nun nahm Katharina gegen die übliche Regel die Sache selbst in die Hand und schlug dem Reformator vor, sie zu ehelichen. Darauf wurden die beiden 1525 in Wittenberg getraut.
Sie richteten sich im „Schwarzen Kloster“ ein, das am Anfang der Reformation verlassen und ihnen vom Kurfürsten zur Verfügung gestellt worden war. Katharina übernahm das Kommando über das Anwesen und die zugehörigen Ländereien. Sie organisierte Landwirtschaft und Viehzucht, betrieb eine Bierbrauerei und eine Herberge für Studenten sowie ein Hospiz in Pestzeiten, zudem war sie für das Finanzielle zuständig. Für ihre Tatkraft bei der Leitung des quasi mittelständischen Betriebs nannte Luther seine Frau, die auch noch sechs Kinder zur Welt brachte, „mein Herr Käthe“. Nach Luthers Tod 1546 und ohne männlichen Schutz wurde für Katharina von Bora die Lage schnell schwierig. Erst musste sie sich mit Erbstreitigkeiten herumschlagen, dann längere Zeit kriegsbedingt aus Wittenberg fliehen und anschließend die zwischenzeitlich entstandenen Schäden in ihrem Zuhause beseitigen. 1552 verließ sie mit ihren Kindern erneut Wittenberg, diesmal wegen der Pest. Kurz vor ihrem Ziel Torgau verunglückte ihr Fuhrwerk, sie stürzte, zog sich innere Verletzungen sowie eine Erkältung zu und war monatelang ans Bett gefesselt. Vermutlich starb Luthers Witwe am 20. Dezember 1552 an einer Lungenentzündung.
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