Der „Schicksalstag” der Deutschen

Collage: Schicksalstag der Deutschen (Quellen v.l.n.r.: National Archives and Records Administration, Bundesarchiv, Bild 102-00344A / Heinrich Hoffmann / CC-BY-SA 3.0, Center for Jewish History, akg-images / Frank Hensel) Der „Schicksalstag” der Deutschen
Nov. 9
Collage: Schicksalstag der Deutschen (Quellen v.l.n.r.: National Archives and Records Administration, Bundesarchiv, Bild 102-00344A / Heinrich Hoffmann / CC-BY-SA 3.0, Center for Jewish History, akg-images / Frank Hensel)

Im 20. Jahrhundert gab es mehrere entscheidende Ereignisse der deutschen Geschichte

Weitere Ereignisse von 9 November

1918 Novemberrevolution

1918 folgten auf einen Matrosenaufstand in Kiel innerhalb weniger Tage überall in Deutschland Streiks und Protestbewegungen. Das militärische Scheitern im Ersten Weltkrieg schrieb man der politischen und militärischen Führung zu und vor allem unter Soldaten und Industriearbeitern entwickelte sich eine revolutionäre Stimmung. Arbeiter- und Soldatenräte übernahmen vielerorts die Macht. Als erster Fürst wurde der bayerische König Ludwig III. in München gestürzt. Am 9. November 1918 wurde die Abdankung Kaiser Wilhelms II. bekanntgegeben. Etwas später rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann von einem Fenster des Berliner Reichstags eine „Deutsche Republik“ aus, nach zwei weiteren Stunden kam der Aufruf des Linksradikalen Karl Liebknecht zu einer „Freien Sozialistischen Republik Deutschland“, verbunden mit dem Ziel einer internationalen Revolution. Zur Vermeidung von Gewalt einigte man sich auf eine Übergangsregierung, in der die Anhänger einer gemäßigten parlamentarischen Demokratie und eines sozialistischen Systems nach sowjetischem Vorbild zu gleichen Teilen vertreten waren. In den nächsten Tagen und Wochen erfolgten die Abdankungen aller anderen deutschen Fürsten. Ob der sächsische König Friedrich August III. dabei tatsächlich sagte: „Macht euern Dreck alleene!“, ist nicht sicher. Schwierig war die Aufgabe auf jeden Fall, denn es war lange unklar, in welche Richtung sich Deutschland bewegte.

1923 Hitler-Putsch

Gegen Ende des Katastrophenjahrs 1923 der Weimarer Republik mit Wirtschaftskrisen, Inflation, der Ruhrbesetzung durch Frankreich und dem „passiven Widerstand“ mit Massenstreiks dagegen spitzten sich die politischen Auseinandersetzungen zu. Für viele Konservative war der Abbruch der gegen die Ruhrbesetzung gerichteten Maßnahmen durch die Reichsregierung „Verrat“. Deswegen setzte die bayerische Regierung den rechten Politiker Gustav Ritter von Kahr als „Generalstaatskommissar“ mit diktatorischen Vollmachten ein, dieser erklärte den Ausnahmezustand für Bayern. Gegen diese verfassungswidrigen Vorgänge erklärte wiederum der Reichspräsident für ganz Deutschland den Ausnahmezustand. Indes machten andere von Kahr die Führungsrolle im rechten Lager streitig. Als er am 8. November im Münchner Bürgerbräukeller eine Rede hielt, tauchte plötzlich Adolf Hitler mit anderen Nationalsozialisten dort auf, schoss mit einer Pistole in die Decke und verkündete, eine „nationale Revolution“ sei ausgebrochen. Nach einigem Hin und Her sagte von Kahr zunächst seine Unterstützung zu, widerrief das jedoch später. Hitler hatte eigentlich vorgehabt, nach dem Vorbild von Mussolinis „Marsch auf Rom“ einen Marsch nach Berlin anzuführen und dort die Macht an sich zu reißen. Als aber am Morgen des 9. November 1923 im Zentrum Münchens Verbände der Reichswehr und der Landespolizei Stellung bezogen, wollten die Putschisten unter Führung von Hitler und General Ludendorff mit einem Zug durch die Münchner Innenstadt die Bevölkerung für sich einnehmen. An der Feldherrnhalle stoppte die Polizei die Extremisten, bei einem Schusswechsel kamen vier Polizisten, 13 Putschisten und ein Passant ums Leben. Damit war es mit dem Staatsstreich vorbei. Ludendorff und zwei Tage später auch Hitler, der zunächst das Weite gesucht hatte, wurden verhaftet, die NSDAP wurde verboten.

1938 Reichspogromnacht

Nach der „Machtergreifung“ zielten die Nationalsozialisten von Beginn an auf die Ausgrenzung der Juden aus allen Lebensbereichen. Auf den „Judenboykott“ folgte das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, Beamte „nicht arischer Abstammung“ wurden in den Ruhestand versetzt. Dieser „Arierparagraph“ wurde noch auf andere Berufsgruppen übertragen und schloss Juden von der Berufsausübung in weiteren Bereichen aus. Die „Nürnberger Gesetze“ machten Juden 1935 zu Menschen minderen Rechts, Eheschließungen und Geschlechtsverkehr mit Nichtjuden wurden zur „Reinhaltung“ der „arischen Rasse“ unter Strafe gestellt. Nachdem sich die Nazis im Jahr der Olympischen Spiele 1936 eher zurückgehalten hatten, verstärkte sich der Druck anschließend umso mehr. Ziel war es jetzt, die „Judenfrage“ durch Auswanderung oder Vertreibung der deutschen Juden zu lösen. Im Herbst 1938 wurden in diesem Sinn Tausende Juden als „polnischstämmig“ des Landes verwiesen. Als ein betroffener 17-Jähriger daraufhin einen tödlichen Anschlag auf einen deutschen Diplomaten verübte, nahm Goebbels das als Vorwand für einen brutalen Angriff auf die deutschen Juden. SA und andere Nazis verwüsteten vom 9. auf den 10. November 1938 – der sogenannten „Reichskristallnacht“ – Tausende von Wohnungen und Geschäften, steckten Hunderte von Synagogen in Brand, brachten Zehntausende jüdische Männer in KZs und ermordeten mindestens 100 Menschen. Die meisten „arischen“ Zivilisten blieben passiv, unterstützten also weder die Täter noch halfen sie den Opfern. Diese wurden anschließend zu einer hohen finanziellen „Sühneleistung“ verpflichtet, um die entstandenen Schäden zu bezahlen. Im Zweiten Weltkrieg begann die systematische Ermordung aller Juden.

1989 Mauerfall

Durch die Montagsdemonstrationen und andere Massenkundgebungen mit dem Ruf nach politischen Veränderungen und mehr Freiheit sowie die Massenflucht von DDR-Bürgern über die Nachbarstaaten geriet die DDR-Regierung im Herbst 1989 in große Schwierigkeiten. Honecker wurde zum Rücktritt gezwungen, für ihn wurde Egon Krenz neuer Generalsekretär und Staatsratsvorsitzender. Das reichte den Menschen nicht: Auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz fand mit einer Million Teilnehmern die größte Demonstration der DDR-Geschichte statt, und auch der Ministerrat trat zurück. Nach heftigen Beschwerden der Tschechoslowakei über die Massenausreisen von DDR-Bürgern durch ihr Territorium plante das Zentralkomitee der SED ein neues Reisegesetz. Egon Krenz gab am 9. November 1989 einen noch nicht genehmigten Vorschlag mit handschriftlichen Veränderungen an Günter Schabowski weiter. Dieser war der neue „Sekretär des ZK der SED für Informationswesen“, hatte aber an den Beratungen über das Reisegesetz nicht teilgenommen. Am Abend trat Schabowski gemäß seiner Aufgabe vor die internationale Presse und las aus dem erhaltenen Papier vor, dass Reisen ins Ausland von allen DDR-Bürgern beantragt werden könnten. Auf eine Nachfrage, ab wann das gelte, sagte er: „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort – unverzüglich“. Die Liveübertragung der Pressekonferenz löste einen Massenansturm auf die Grenzübergänge nach West-Berlin aus. Da die Grenzbeamten keine klaren Anweisungen von oben erhalten konnten, öffneten sie erste Übergänge. Nach Medienberichten darüber machten sich weitere Menschen auf den Weg und am nächsten Tag bewegten sich Millionen DDR-Bürger über die Grenzen in den Westen. Viele kletterten auch auf die Berliner Mauer, die jetzt faktisch gefallen war. Kurze Zeit später brach die DDR-Diktatur endgültig zusammen.

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