DDR-Intershops

Intershop-Ansicht im Intershop-Katalog (Quelle: Stadtmuseum Dresden
CC BY-NC-SA) DDR-Intershops
Dez. 14 1962
Intershop-Ansicht im Intershop-Katalog (Quelle: Stadtmuseum Dresden
CC BY-NC-SA)

Die DDR braucht dringend Devisen

Anfang der 1960er-Jahre befand sich die DDR in einer sehr schwierigen Situation: Nach der Massenflucht von DDR-Bürgern, der Kollektivierung der Landwirtschaft und auch wegen anderer Probleme war es zu einem erheblichen Rückgang der industriellen wie der agrarischen Produktion gekommen. Weniger als ein Jahr nach dem Mauerbau bat die DDR-Führung deshalb den bundesrepublikanischen „Klassenfeind“ um einen „Warenkredit“ über mehr als drei Milliarden DM. Der ostdeutsche Staat musste seine Industrie modernisieren und die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen, hatte aber für den Kauf von Produkten aus dem Westen oder auf dem Weltmarkt nicht genug Devisen. Der Kredit kam nicht zustande, und so suchte die DDR nach Alternativen. Für Transitreisende oder Besucher aus dem Westen wurden die „Intershops“ gegründet, in denen ausschließlich mit westlichen Währungen bezahlt werden konnte. Den Anfang machten erste, noch mobile Verkaufsstände für Zigaretten im Ost-Berliner Bahnhof Friedrichstraße. Nach und nach wurde eine große Einzelhandelskette aufgebaut: Alkohol, Nahrungsmittel, Kleidung, Spielwaren, Schmuck, Kosmetika und anderes gab es als „Zimmerservice“ in „Interhotels“, an Grenzübergangsstellen, Rastplätzen der Transitstrecken oder auf Bahn-, Flug- oder Fährhäfen. Die meisten Waren hatten Betriebe der DDR für westliche Firmen produziert, für die eigene Bevölkerung waren sie nicht erhältlich.

Nach der internationalen Anerkennung der DDR in den 1970er-Jahren versuchte die Staatsführung den Lebensstandard der DDR-Bürger zu heben und die Sozialleistungen zu verbessern, etwa durch verstärkten Wohnungsbau. Dazu wurden Schulden aufgenommen, was den Druck erhöhte, an westliche Währungen zu kommen. Bis 1974 war in der DDR der Besitz von Westgeld verboten gewesen, jetzt gestattete man auch eigenen Bürgern den Einkauf in den meisten Intershops. Die Preise dort lagen deutlich unter Westniveau, für DDR-Bürger waren sie aber recht hoch, zudem konnten sie nur über Verwandte im Westen an das benötigte Geld gelangen. Ende der 1970er-Jahre wurde der Währungshandel neu organisiert: DDR-Bürger mussten ihr Westgeld zunächst gegen sogenannte „Forumschecks“ der „Forum Außenhandelsgesellschaft“ eintauschen. Diese gehörte zur „Kommerziellen Koordinierung“ des Ministeriums für Außenhandel, mit der unter Alexander Schack-Golodkowski der Währungshandel neu organisiert wurde. Auch Häftlingsfreikäufe oder der Verkauf von Kunstwerken gehörte dazu. In den 1980er-Jahren gab es über 400 Intershops.

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