Der Pionier Peter Stromer erfindet eine zukunftweisende Waldwirtschaft
Für die zu den wichtigsten mitteleuropäischen Handels- und Gewerbestädten zählende Reichsstadt Nürnberg war die Metallverarbeitung im Spätmittelalter von grundlegender Bedeutung. Das dafür nötige Holz lieferte der „Reichswald“ mit seinen Laub- und Nadelbäumen, der die Stadt im Halbkreis umschloss. Durch den hohen Bedarf kam es zur Übernutzung und so waren große öde Flächen entstanden. Der Holzmangel bedrohte die wirtschaftliche Zukunft der Stadt, sodass auch vonseiten des römisch-deutschen Königs Gegenmaßnahmen gefordert wurden. Nach jahrzehntelangen vergeblichen Bemühungen hatte der Patrizier, Rats- und Handelsherr Peter Stromer Mitte des 14. Jahrhunderts die entscheidende Idee: Er ließ die Samen von Nadelbäumen in aufgepflügten Furchen aussäen und verfeinerte über Jahre hinweg die Behandlung der Samen so, dass eine planmäßige Wiederbewaldung größerer Flächen möglich wurde. Auch durch Experimente verbesserte Stromer die Techniken stetig weiter, sodass sich der Nürnberger Reichswald zum ältesten Kunstforst der Welt entwickeln konnte. Statt des vorherigen Raubbaus kam es so zu einer für die Zeit ungewöhnlichen, zumindest bedingt nachhaltigen Wirtschaftsweise.
Die gemachten Erfahrungen hinsichtlich geeigneter Böden, Behandlung des Saatguts oder Baumpflege riefen schnell auch anderswo Interesse hervor. Nach Peter Stromers Tod am 3. Dezember 1388 zogen im Reichswald ausgebildete „Tannensäer“ durch Mitteleuropa, nach den in Nürnberg entwickelten Methoden wurde etwa auch der Frankfurter Stadtwald umgestaltet. Durch die Spezialisten, die ihre Kenntnisse von Generation zu Generation weitergaben, konnte Nürnbergs Vorrangstellung bei der Waldsaat bis in die Neuzeit hinein bewahrt werden. Allmählich gingen die Verfahren in die allgemeine Forstpraxis und -lehre ein und trugen so mit zur forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeit bei. Deren Bedeutung erscheint in Zeiten der globalen Erwärmung wichtiger denn je.
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