Der schlesische Weberaufstand

Sturm, Radierung von Käthe Kollwitz (Quelle: Mitte Museum, gemeinfrei) Der schlesische Weberaufstand
Juni 4 1844
Sturm, Radierung von Käthe Kollwitz (Quelle: Mitte Museum, gemeinfrei)

Die Weber begehren gegen den Preisverfall ihrer Produkte auf

Wegen der Konkurrenz durch industriell produzierte Textilien gerieten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Handwerker, die ihre Waren an Webstühlen in Heimarbeit herstellten, stark unter Druck. Im Vergleich zu anderen Webern, die völlig verarmt waren und hungerten, ging es den Baumwollwebern im schlesischen Eulengebirge südwestlich von Breslau (heute Wroclaw) durchaus besser. Wegen der Überproduktion zahlten aber auch ihnen die Unternehmer, denen sie ihre Waren brachten, nicht mehr die früheren Preise. Anfang Juni 1844 zog deshalb eine kleine Gruppe von Heimwebern zum Wohnhaus einer als hartherzig verrufenen Unternehmerfamilie. Sie erreichten jedoch nichts, zudem wurde einer von ihnen festgenommen.

Am 4. Juni zog eine große Menge erneut zum Anwesen der Familie und schlug dort, als niemand anwesend war, alles kurz und klein. Nachdem die Weber am nächsten Tag in einem Nachbarort wieder ein Fabrikantengebäude verwüstet und geplündert hatten, wurde preußisches Militär zur Niederschlagung des Aufruhrs geschickt. Die Soldaten schossen in die Menge, elf Tote und 24 Schwerverletzte blieben liegen. Am 6. Juni war der Aufstand beendet. Nach heutigem Forschungsstand lassen sich die Vorgänge weder als klassische „Hungerrevolte“ noch als Art „Klassenkampf“ interpretieren. In der Zeit vor der Märzrevolution von 1848, dem „Vormärz“, erregte die Darstellung der Verzweiflung der Weber in den deutschen Medien jedoch große Aufmerksamkeit. In der Folge wurden die Vorgänge auch vielfach künstlerisch und literarisch verarbeitet, z. B. in Gerhart Hauptmanns Drama „Die Weber“.

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